Studie­ren­den­werk Kassel

Betriebsart: Frische­küche mit Cook & Serve-Produk­ti­ons­system und eigenem Schäl- und Rüstbetrieb

Studie­ren­den­werk Kassel mit 5 Standorten

  • Zentral­mensa
    2.000 – 3.200 Essen | 68 Mitarbeitende
  • Menzel­straße
    200 – 300 Essen| 4 Mitarbeitende
  • Wilhelms­höher Allee 71
    500 – 750 Essen | 12 Mitarbeitende
  • Heinrich-Plett-Straße
    300 – 500 Essen | 10 Mitarbeitende
  • Witzen­hausen
    150 – 250 Essen | 5 Mitarbeitende

Die Einrich­tung

Das Studie­ren­den­werk Kassel betreibt in Kassel und in Witzen­hausen an fünf Stand­orten Mensen sowie Cafete­rien und Bistros.
Die Speise­pla­nung wird zentral vorge­nommen mit Möglich­keiten der Anpas­sungen durch die einzelnen Stand­orte. Der zentrale Einkauf und eigene Rüstbe­trieb in der Zentral­mensa sorgt für effizi­enten und wirtschaft­li­chen Waren­fluss, bei dem Regionalität/Saisonalität und auch Biole­bens­mittel Berück­sich­ti­gung finden.

In den Mensen werden drei Menüli­nien angeboten sowie ergän­zend Salate, Beilagen, Süßspeisen, frisches Obst und Getränke. In der Mittags­zeit ist täglich ein forderndes Stoßge­schäft zu meistern, wobei auf die Speise­qua­lität, Abwechs­lung und Auswahl großen Wert gelegt wird.

Der Beratungs­pro­zess

Im Beratungs­pro­zess hat sich abgezeichnet, dass Optimie­rungen nur dann nachhaltig möglich sind, wenn sie auf den Alltag und die lange Strecke hin angelegt sind.

Das komplexe System arbeitet in vielerlei Hinsicht schon sehr gut, bei Verän­de­rungen geht Gründ­lich­keit vor Schnel­lig­keit.
Die immens hohe Gäste­zahl in der Summe der Einrich­tungen ist ein großer Hebel mit Signal­wir­kung auch zu den Tisch­gästen hin, den es positiv zu nutzen gilt.

Der große Benefit der Beratung liegt darin, Prozesse angestoßen zu haben, die auch im Jahr 2026 noch in der Umset­zung sein werden. Das komplexe Thema der Nachhal­tig­keit mit all ihren Spiel­arten wird dauer­haft spür- und erlebbar sein. Für 2026 sind Aktions­tage in der Planung, an denen nebst der Umset­zung verschie­dener Maßnahmen vor allem die Kommu­ni­ka­tion zum Tisch­gast hin ein wichtiger Bestand­teil ist.

Ein Kernthema der Beratung war die Evalu­ie­rung von Lebens­mit­tel­ab­fällen in allen Teilen der Prozess­kette sowie deren Reduk­tion. Hierzu wurden an allen Stand­orten Messungen durch­ge­führt, die erfassten, welche Lebens­mittel in welchen Mengen in die Tonne wandern. Inner­halb der Einrich­tungen gab es hier auch Unter­schiede, aber alle haben gemein, dass es Poten­zial zu Reduzie­rung der Abfälle gibt. Über Analysen aller relevanter Parameter können Maßnahmen abgeleitet werden.

In der Abfall­bi­lanz sind Teller­rück­läufer und Überpro­duk­tion die großen Posten. Die Heraus­for­de­rung ist eine nicht planbare Gäste­zahl sowie das Auswahl­ver­halten inner­halb der Menüs.

Erste Anpas­sungen wurden bereits umgesetzt. Die Einwaage einiger stärkel­as­tiger Beilagen, welche als Rückläufer identi­fi­ziert werden konnten, wurde auf den realis­ti­schen Hunger der Gäste reduziert. Experi­men­telle Zuberei­tungen spart man tenden­ziell eher aus, neue Produkte müssen in der Einfüh­rung gut einge­bunden sein. Die Kellen­pläne sind in der Überar­bei­tung und die Mitarbeiter*innen an der Ausgabe werden fortlau­fend über die korrekte Portio­nie­rung sensi­bi­li­siert und angeleitet. Auch die Möglich­keit einer angepassten Portion für den kleineren Hunger wird wieder proak­tiver angeboten, nachdem dies als wirksame Möglich­keit den Teller­rück­lauf ad hoc zu minimieren erkannt wurde.

Die Nachbe­stü­ckung der Buffets ist einer der Knack­punkte. Der wellen­ar­tige Gäste­zu­fluss fordert eine kurze Reakti­ons­zeiten. Hier braucht es die erfah­renen Köchinnen und Köche, die es verstehen, den Ablauf „zu lesen“ und möglichst passgenau nachzu­or­dern. Hier ist der Fokus mit der Beratung nochmals geschärft worden.Angestoßen wurde in der Beratung auch die Frage nach der Anzahl der Kompo­nenten, die im Preis inklu­diert sind. Hier einfach zu reduzieren, wäre zu kurz gesprungen.

Ebenso kam eine weitere Menülinie ins Gespräch, die an frequenz­starken Tagen den Gäste­fluss entzerrt und es auch ermög­licht, eine andere Linie auslaufen zu lassen und somit große Restposten zu verhin­dern. Ein Pasta­kon­zept mit verschie­denen Saucen und Topping könnte hier eine beliebte und gut handel­bare Variante darstellen. Das Studie­ren­den­werk hat einer­seits einen Versor­gungs­auf­trag zu bedienen und anderer­seits nachhaltig zu wirtschaften. Optimie­rungen können nur erfolg­reich umgesetzt werden, wenn sie unter Einbezug aller Betei­ligten herbei­ge­führt werden.

Die grund­sätz­li­chen Verän­de­rungen am Konzept sind als wirkfä­hige Instru­mente nun in den Köpfen und im Gespräch. Hier braucht es nun Zeit, Offen­heit, Austausch und eine zielori­en­tierte Sicht auf das komplexe Thema .

Schließ­lich muss dafür Sorge getragen werden, dass die Zufrie­den­heit der Tisch­gäste, wirtschaft­liche Leist­bar­keit auf beide Seiten der Ausgabe sowie eine Reduk­tion der Speise­reste als Gemein­schafts­auf­gabe gelingen.

In der Laufzeit der Beratung kam es zu einem guten Austausch zwischen dem Studie­ren­den­werk und dem Bio-Großhandel. Um die Bio-Quote erhöhen und mehr Produkte zerti­fi­zieren zu können, gilt es heraus­zu­ar­beiten, welche Bio-Produkte in welcher Menge pro Jahr benötigt werden, um einen für beide Seiten machbaren Preis zu verein­baren. Hiervon könnten beide Seiten profitieren.

Das letzte Wort…

„Zu Tisch zeigt, wie viel Poten­zial für mehr Nachhal­tig­keit es selbst dort noch gibt, wo wir bereits ressour­cen­scho­nend und umwelt­be­wusst handeln. Die Förde­rung durch das Hessi­sche Landwirt­schafts­mi­nis­te­rium hilft uns enorm dabei, dieses Poten­zial zu heben.“
Dirk Morgen­stern, Referent für Nachhal­tig­keit, Studie­ren­den­werk Kassel

Foto: Studie­ren­den­werk Kassel

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